Der Jakobsweg von Marburg nach Köln
Auf den Spuren des Apostels Jakobus von Marburg nach Köln pilgern – heute geht das wieder. Dieser alte Pilger- und Handelsweg ist im Zuge der Rekonstruktion des historischen Jakobswegenetzes in Deutschland beziehungsweise in ganz Europa – handelt es sich doch immerhin um die „Erste Kulturstraße Europas“ – in letzter Zeit neu ausgewiesen worden. Dieser Jakobsweg gliedert sich damit in den Deutschland in der Mitte querenden, großen Jakobsweg von Görlitz nach Aachen ein und bildet somit ein wichtiges Mittelgebirgsteilstück innerhalb des deutschen Pilgerwegemosaiks, das seinem eigentlichen Ziel im spanischen Santiago de Compostela die Pilger aus dem Osten Europas und der Mitte Deutschlands zuführt.
Der Weg setzt sich im Wesentlichen aus zwei historisch gewachsenen Teilstrecken zusammen: der „Siegener Straße“ oder auch „Straße nach Marburg“ von Marburg nach Siegen und der „Brüderstraße“, die, als Verbindung zu den siegerländischen Besitzungen des Kölner Bistums eingerichtet, von Siegen nach Köln hinein führte. Beides sind urkundlich seit dem Mittelalter bezeugte Handelsstraßen, die aber auch in der Funktion von Pilgerwegen seit 1184 nachgewiesen sind. Und auch wenn sie nicht zu den wichtigsten Jakobswegen gehörten, so sammelten sich hier doch Pilger aus der Mitte des deutschen Reichsgebietes und von weiter östlich auf der Suche nach einem sicheren Weg durch die wilden, waldigen Mittelgebirgsregionen ins vergleichsweise hochzivilisierte Köln.
Der genaue Wegverlauf orientiert sich an einem Pilgerbericht aus dem Jahr 1489. In ihm wird der Weg von Marburg über Ewersbach, Siegen, Denklingen und Overath nach Köln genau beschrieben, für den berittene Pilger damals zwei Tage benötigten. Auf Schusters Rappen werden Sie heute etwa eine Woche unterwegs sein, haben dadurch aber auch mehr Muße, die schöne Mittelgebirgslandschaft zu genießen. Dafür dass Ihr Weg Sie durch Hessen und Nordrhein-Westfalen führt, laufen Sie vergleichsweise weitab von jeglicher urbaner Unruhe und auch der verkehrsreichen Straßen gibt es nur sehr wenige.
Die erste Hälfte des Weges von Marburg nach Gießen stellt sich als mitunter anstrengende Berg- und Talwanderung dar, müssen Sie doch nicht weniger als zwölf Höhenzüge überwinden, die jeweils bis zu 350 Höhenmetern Unterschied aufweisen. Der Weg ist reich an Wald und überquert eine Vielzahl von Bächen und Flüsschen. Ab Siegen erweist sich dann die ehemalige Brüderstraße als entspannterer Höhenweg. Immer noch beherrscht der Wald die Strecke, aber er ist lichter geworden und wird auf dem weiteren Weg nach Köln immer öfter von Frei- und agrarisch genutzten Flächen durchbrochen, auch die Frequenz der besuchten Ortschaften steigt.
Natürlich wurde bei der Anlage des Weges ein besonderer Wert auf die Pilgerschaft und die spirituelle Seite des Wanderns gelegt. Zuerst sind natürlich Ausgangs- und Zielort zu nennen, beides bedeutsame Pilgerziele aus eigenem Recht: hier das Grab der Hl. Elisabeth, dort, seit 1164, die Ruhestätte der Gebeine der Heiligen Drei Könige im Dom zu Köln. Aber auch auf dem Weg finden sich interessante und zur Besinnung einladende Sakralbauten und Reminiszenzen an den Hl. Jakobus. Dass auch für den Leib bestens gesorgt wird, braucht angesichts der Gastfreundschaft der Hessen, Sieger- und Rheinländer wohl kaum betont zu werden.
Der Jakobsweg im fernwege.de TrailNetwork
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