Via Tolosana. Der Weg über den Somport Pass
Vier große Jakobswege führen durch Frankreich in Richtung der Pyrenäen, wo sie auf den Camino Frances als letzten großen Abschnitt auf dem Weg nach Santiago de Compostela treffen – die Via Tolosana ist wahrscheinlich der am wenigsten begangene von ihnen, was aber sicher nicht daran liegt, dass der Weg weniger schön wäre als Via Podiensis, Via Turonensis und Via Lemovicensis. Ganz im Gegenteil braucht sich diese südfranzösische Strecke, die auch als wildeste und abenteuerlichste der vier gilt, in keiner Weise vor ihren Schwestern zu verstecken.
Dem Pilger kommt aber die noch etwas größere Einsamkeit auf der Tolosana sogar entgegen, ist die Pilgerschaft doch eine sehr persönliche Sache, die man meist mit sich oder wenigen Weggefährten und Gott abmacht. Für die innere Einkehr, die die meisten Menschen sich vom Pilgern erhoffen, sind auf dieser ruhigen Strecke jedenfalls die besten Voraussetzungen gegeben. Und es ist auch nicht nötig, die gesamten 720 Kilometer der Tolosana in 36 oder mehr Etappen am Stück zu erwandern, um die besondere Atmosphäre dieser Pilgerschaft zu erleben. Fangen Sie einfach an und kommen Sie zurück, wann immer Ihnen danach ist.
Die Wegführung folgt den alten und historisch belegten Strecken, die Pilger seit dem Mittelalter genommen haben. Es waren (und sind) meist Pilger aus Bayern, dem tschechisch-slowakischen Raum, Ungarn und vor allem Italien, die den Weg, der offiziell als Fernwanderweg (Grand Randonée) GR 653 markiert ist, von Arles über Gard, Montpellier, Toulouse, Auch, Pau, Oloron und den Somport-Pass nach Spanien hinein nehmen, wo er in den Aragonesischen Weg mündet, der als Zubringer zum Camino Frances dient.
Drei Viertel des Jahres dürfte die Tolosana, die auch als Via Aegidiana oder Voie du Sud bekannt ist, der in Bezug auf das Wetter am angenehmsten zu gehende französische Jakobsweg sein; in der Sommerhitze ist er allerdings genauso beschwerlich wie der Camino selbst. Dafür erleben Sie aber in jedem Fall neben der Pilgerschaft eine vielfältige, oft romantische und wilde Landschaft, wandern Sie doch höchst abwechslungsreich durch das Rhône-Tal, die Camargue, die südlichen Ausläufer der Cevennen, die Hügel der Gascogne, das Béarn und erklimmen die Pyrenäen und erwandern eventuell zum Schluss auch noch in weiteren sechs Etappen den Aragonesischen Weg als Zubringer zum Camino Frances.
Sie durchstreifen damit auch eine der ältesten Kulturlandschaften Europas, in der heute insbesondere die Spuren der Römer noch vielfach gegenwärtig sind. Einige UNESCO-Weltkulturerbestätten längs des Weges bezeugen die geschichtliche Bedeutung. Traditionsreiche Kirchen, Kapellen und Klöster erfreuen die Pilger ein ums andere Mal und auch für das leibliche Wohl ist mit der temperamentvollen südfranzösischen Küche gegebenenfalls gut gesorgt. Unterkünfte aller Kategorien stehen bereit und an Pilger ist man hier gewöhnt und sieht sie gern.







