Der Jakobsweg in Frankreich

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Jakobswege in Frankreich auf fernwege.de
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eselpilger (fernwege.de - Mitglied)
(01.04.10 17:16)
Email:borwin.buetzow(--)superkabel.de
Wer etwas Außergewöhliches erleben will,
muss eine außergewöhnliche Situation suchen.
Sergius Golowin
Liebe Pilger-Community
vielleicht erinnert sich der ein oder andere an meine Anfrage im
Herbst 2008, als ich mich als Pilger mit Esel vorstellte, der
Informationen über die Via Lemovicensis haben wollte, besonders
darüber, ob es bei den Refuges, den Pilgerunterkünften Probleme
geben könnte, wenn man mit einem Esel oder Pferd kommt. Damals
konnte mir niemand etwas dazu sagen. Inzwischen habe ich meine
Reise gemacht und bin in 5 Wochen von St.Dizier über Tonnerre,
Vézelay, La Charité-sur-Loire, Bourges, Châteauroux, Velles,
Gargilesse, La Souterraine, Oradour-sur-Glane, und weiter nach
Südwesten bis zur Gironde und darüber hinweg zur Atlantikküste
südlich Soulac gelaufen.
Als Fazit kann ich sagen: Die Wanderung war phantastisch und in
allen Phasen wesentlich unproblematischer als gedacht. Die
gastfreundlichen Menschen überall haben immer weitergeholfen, wenn
man Hilfe brauchte.
Eine negative Erfahrung allerdings war, dass es in den kleineren
Orten der französischen Provinz, die der Pilgerweg überwiegend
passiert, kaum noch Cafés oder Restaurants gibt. Diese Tatsache und
auch der Umstand, dass bei schwüler Witterung im Wald die
Stechmücken- und Bremsenplage unerträglich war, hat mich manchmal
die Landstraße bevorzugen lassen. Dass ich mich hin und wieder
verlaufen habe, lag teilweise auch an der Beschilderung, besonders
im Ort Le Poinçonnet südlich Châteauroux, wo man den Weg durch den
Wald nach Süden ohne zu fragen eigentlich nicht finden kann. Das
wiederum führt dann zu den schönsten Begegnungen, bei denen man mit
Land und Leuten ins Gespräch kommt. Ich bekam eine private Führung
durch den Forêt de Châteauroux mit einer hübschen Französin, die
mich bis zur nächsten Compostelle-Beschilderung begleitete und mir
darüber hinaus noch eine Wanderkarte der Region schenkte.
Zwei Highlights zum „Weg“, die es unbedingt zu erwähnen gilt: Da
ist zum Einen die Refuge in Arbourse kurz vor
La Charité-sur-Loire, wo man zwar 10,- € bezahlt, dafür aber eine
sehr gepflegte Unterkunft für vier Personen mit vollem Kühlschrank
und sonstige Lebensmittel zum Selbstkostenpreis vorfindet; die
Stockbetten allerdings sind mit Vorsicht zu genießen, da die
Hühnerleiter nicht sehr stabil ist.
Zum Anderen die Accueil Pèlerin à domicile bei Mme Colette Aucante
und ihrem Lebensgefährten in Velles, wo man für 24,- € hervorragend
unterkommt und mit den beiden liebenswerten Menschen zu Abend isst
und frühstückt. Außerdem bietet Velles neben den im Itinéraire
beschriebenen kirchlichen Sehenswürdigkeiten endlich einmal gleich
mehrere Möglichkeiten, ein Bier zu trinken -wenigstens an jenem
Samstag. Im Gegensatz dazu soll die Réfuge in St.Germain Beaupré
nördlich La Souterraine 20,-€ kosten, was mir der Herbergsleiter
bei einer Kirchenführung verriet. Südlich Argenton-sur-Creuse weist
der Reiseführer etwas spät auf eine schwierige Passage, einen
Anstieg auf die Staumauer der Creuse hin; mit Pferd oder Esel ist
diese Stelle unmöglich zu bewältigen, aber wenige Meter zurück gibt
es eine einfacherere Möglichkeit, wieder die Straße oben auf der
Höhe zu erreichen. Man muss also nicht die gesamte Strecke
zurückgehen.
Ärgerlich war, nicht vorher zu wissen, dass der Campingplatz und
auch die dort angesiedelte Refuge pèlerin in Varzy etwa 2 km
außerhalb, östlich der Stadt und damit entgegengesetzt zur nächsten
Etappe liegt. Man hätte vorher auf der Höhe abkürzen können. Ein
allgemeines Problem sind die Öffnungszeiten der Lokale, wenn es
überhaupt welche gibt: Man sucht vergeblich Feiertags, Sonntags,
Mittwochabends und oft auch Montags. Dadurch habe ich etwa 10 kg
abgenommen, bin aber dank mineralischer Ergänzungspräparate immer
im Vollbesitz meiner Kräfte gewesen; auch Traubenzucker ist eine
gute Empfehlung. Abschließend ist zu sagen: Eine solche Tour ist
das Beste, was einem im Leben passieren kann; macht es einfach!
Schwierig kann die Rückkehr werden, weil man sich auf der
Rankingskala der Werte möglicherweise nicht mehr zurechtfindet.
Passend zu einer Tour wie dieser ein Gedanke von Mark Twain:
“Twenty years from now you will be more disappointed by the things
that you didn\'t do than by the ones you did do. So throw off the
bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in
your sails.
Explore. Dream. Discover”
Der Eselpilger
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Via Lemovicensiseselpilger (fernwege.de - Mitglied)
(01.04.10 17:16)
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muss eine außergewöhnliche Situation suchen.
Sergius Golowin
Liebe Pilger-Community
vielleicht erinnert sich der ein oder andere an meine Anfrage im
Herbst 2008, als ich mich als Pilger mit Esel vorstellte, der
Informationen über die Via Lemovicensis haben wollte, besonders
darüber, ob es bei den Refuges, den Pilgerunterkünften Probleme
geben könnte, wenn man mit einem Esel oder Pferd kommt. Damals
konnte mir niemand etwas dazu sagen. Inzwischen habe ich meine
Reise gemacht und bin in 5 Wochen von St.Dizier über Tonnerre,
Vézelay, La Charité-sur-Loire, Bourges, Châteauroux, Velles,
Gargilesse, La Souterraine, Oradour-sur-Glane, und weiter nach
Südwesten bis zur Gironde und darüber hinweg zur Atlantikküste
südlich Soulac gelaufen.
Als Fazit kann ich sagen: Die Wanderung war phantastisch und in
allen Phasen wesentlich unproblematischer als gedacht. Die
gastfreundlichen Menschen überall haben immer weitergeholfen, wenn
man Hilfe brauchte.
Eine negative Erfahrung allerdings war, dass es in den kleineren
Orten der französischen Provinz, die der Pilgerweg überwiegend
passiert, kaum noch Cafés oder Restaurants gibt. Diese Tatsache und
auch der Umstand, dass bei schwüler Witterung im Wald die
Stechmücken- und Bremsenplage unerträglich war, hat mich manchmal
die Landstraße bevorzugen lassen. Dass ich mich hin und wieder
verlaufen habe, lag teilweise auch an der Beschilderung, besonders
im Ort Le Poinçonnet südlich Châteauroux, wo man den Weg durch den
Wald nach Süden ohne zu fragen eigentlich nicht finden kann. Das
wiederum führt dann zu den schönsten Begegnungen, bei denen man mit
Land und Leuten ins Gespräch kommt. Ich bekam eine private Führung
durch den Forêt de Châteauroux mit einer hübschen Französin, die
mich bis zur nächsten Compostelle-Beschilderung begleitete und mir
darüber hinaus noch eine Wanderkarte der Region schenkte.
Zwei Highlights zum „Weg“, die es unbedingt zu erwähnen gilt: Da
ist zum Einen die Refuge in Arbourse kurz vor
La Charité-sur-Loire, wo man zwar 10,- € bezahlt, dafür aber eine
sehr gepflegte Unterkunft für vier Personen mit vollem Kühlschrank
und sonstige Lebensmittel zum Selbstkostenpreis vorfindet; die
Stockbetten allerdings sind mit Vorsicht zu genießen, da die
Hühnerleiter nicht sehr stabil ist.
Zum Anderen die Accueil Pèlerin à domicile bei Mme Colette Aucante
und ihrem Lebensgefährten in Velles, wo man für 24,- € hervorragend
unterkommt und mit den beiden liebenswerten Menschen zu Abend isst
und frühstückt. Außerdem bietet Velles neben den im Itinéraire
beschriebenen kirchlichen Sehenswürdigkeiten endlich einmal gleich
mehrere Möglichkeiten, ein Bier zu trinken -wenigstens an jenem
Samstag. Im Gegensatz dazu soll die Réfuge in St.Germain Beaupré
nördlich La Souterraine 20,-€ kosten, was mir der Herbergsleiter
bei einer Kirchenführung verriet. Südlich Argenton-sur-Creuse weist
der Reiseführer etwas spät auf eine schwierige Passage, einen
Anstieg auf die Staumauer der Creuse hin; mit Pferd oder Esel ist
diese Stelle unmöglich zu bewältigen, aber wenige Meter zurück gibt
es eine einfacherere Möglichkeit, wieder die Straße oben auf der
Höhe zu erreichen. Man muss also nicht die gesamte Strecke
zurückgehen.
Ärgerlich war, nicht vorher zu wissen, dass der Campingplatz und
auch die dort angesiedelte Refuge pèlerin in Varzy etwa 2 km
außerhalb, östlich der Stadt und damit entgegengesetzt zur nächsten
Etappe liegt. Man hätte vorher auf der Höhe abkürzen können. Ein
allgemeines Problem sind die Öffnungszeiten der Lokale, wenn es
überhaupt welche gibt: Man sucht vergeblich Feiertags, Sonntags,
Mittwochabends und oft auch Montags. Dadurch habe ich etwa 10 kg
abgenommen, bin aber dank mineralischer Ergänzungspräparate immer
im Vollbesitz meiner Kräfte gewesen; auch Traubenzucker ist eine
gute Empfehlung. Abschließend ist zu sagen: Eine solche Tour ist
das Beste, was einem im Leben passieren kann; macht es einfach!
Schwierig kann die Rückkehr werden, weil man sich auf der
Rankingskala der Werte möglicherweise nicht mehr zurechtfindet.
Passend zu einer Tour wie dieser ein Gedanke von Mark Twain:
“Twenty years from now you will be more disappointed by the things
that you didn\'t do than by the ones you did do. So throw off the
bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in
your sails.
Explore. Dream. Discover”
Der Eselpilger
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